Solidarische Helfer und enttäuschende Landesminister
 
Kritik und Lob bei der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr
Von Oliver Färber
 
Es ist ein Abend gemischter Gefühle am Samstag im Gerätehaus der Krautheimer Feuerwehr: Zum einen
kann die Mannschaft auf mit Recht stolz auf ihre Arbeit im Sommer bei der Umweltkatastrophe an der
Jagst und das kollegiale Miteinander mit anderen Organisationen sein, zum anderen staut sich der Ärger
über die Landespolitiker, die beim Besuch am Fluss noch versichert haben, unbürokratisch die Kosten zu
tragen, sich jetzt aber gegenüber dem Landkreis verweigern. Immerhin macht das bewährte Führungsduo
der Stützpunktwehr weiter. Die aktiven Mitglieder wählen Alois Kilian (57) wieder zu ihrem
Kommandanten, Norbert Adamiec (44) erneut zu seinem Stellvertreter.
 
Mit den Standards beginnt der Abend: Kilian berichtet von den Einsätzen 2015, von Kamin-, Flächen- und
Containerbränden, von Verkehrsunfällen und einem Fahrzeug in der Jagst. Es geht um Schulungen,
Dienste und Ausbildungen in der Freizeit. Und dann natürlich die Umweltkatastrophe am örtlichen Fluss,
welche die Mannschaft vom 25. August bis 3. September Tag und Nacht beschäftigt hat. 4780
ehrenamtliche Stunden haben dabei alleine seine Feuerwehrleute geleistet.
 
Was zu erledigen war, das listet Schriftführer Jürgen Specht auf. Zwölf Pumpstellen werden von der
Feuerwehr, acht vom Technischen Hilfswerk (THW) rund um die Uhr betreut. 5000 Kilometer sind in
dieser Zeit verfahren, 51.000 Liter Sprit verbraucht, 45 Pumpen durch das THW repariert und in der
Spitzenzeit 152.400 Liter Wasser pro Minute umgepumpt worden. Mit einer Grafik, in der die
Schadstoffmessungen in einer abnehmenden Kurve gezeigt werden, beweist er das, was er besonders
betont: „Klip und klar. Im Hohenlohekreis wurde die Jagst gerettet.“ Deshalb kritisiert er auch die Medien,
die viel über das Schlechte im Landkreis Hall und die großen positiven Taten im Landkreis Heilbronn
berichtet hätten. „Vom Hohenlohekreis dazwischen war fast nichts zu hören“, so Specht.
 
Krautheims Bürgermeister Andreas Köhler echauffiert sich – gerade in Anbetracht dessen – über die
Minister, die sich selbst vor Ort ein Bild gemacht haben und viel versprochen hätten. „Da wundert es doch,
dass das Land sich nun ziert, unbürokratisch wie versprochen, die Kosten zu ersetzen“, meint er. Der
Landkreis musste sämtliche Kosten vorstrecken und nun sehe es so aus, als müsse dieser noch diese
einklagen. „Das ist ein No-Go“, findet der Rathauschef.
 
Auch Kreisbrandmeister Günther Uhlmann kritisiert die Landesregierung: „Bei der Begehung sagten die
Minister noch, sie treten für die Kosten ein, und jetzt machen sie eine Rolle rückwärts.“ Dabei habe das
Land sicher einen größeren finanziellen Spielraum als der Hohenlohekreis, der die Rechnungen auf dem
Tisch liegen habe.
 
Feuerwehr-Kreisverbandsvorsitzender Wolfgang Brosig erinnert daran, dass die Arbeit größtenteils auf
ehrenamtlichen Schultern liegt. „Die Arbeit darf nicht mit anderen Ehrenämtern verglichen werden“,
mahnt er. Wenn man die Kräfte für ihre Bereitschaft bezahlen müsste, dann wären die Stadtkassen leer.
„Der Jagsteinsatz hat deutlich gezeigt, was wir leisten können“, so Brosig.
 
Am Ende gibt es ein dickes Lob von Andreas Schilder vom THW-Ortsverband Künzelsau. „Es war ganz
ganz toll, wie wir an einem Strang gezogen haben“, berichtet er von seinen Erlebnissen während des
Jagsteinsatzes. Dass die Feuerwehren in Hohenlohe ihre Gerätehäuser geräumt und dem THW Platz zur
Verfügung gestellt hätten, sei einzigartig gewesen. „Das sorgt für Gesprächsstoff bundesweit“, so Schilder.
 
ZWEITE EBENE
 
In seinem Bericht über das Einsatzjahr 2015 erwähnt Kommandant Alois Kilian auch viele Zahlen.
Insgesamt 50 Mal rückte die Mannschaft aus, darunter neun Brände, zwei Insekteneinsätze, fünf Alarme
von Brandmeldeanlagen und 24 Hilfeleistungen, worunter auch der Jagsteinsatz zählt. 2014 gab es noch
47 Einsätze. Durch die Großeinsätze wurden 6229 ehrenamtliche Stunden geleistet. „Normal liegen wir da
bei rund 780“, erklärt der Kommandant. Die Fahrzeuge und Pumpen waren 1627 Stunden im Betrieb –
üblicherweise zählt man in Krautheim 250 Stunden. Kilian kann in Krautheim auf 192 aktive
Feuerwehrleute, darunter drei Frauen, zählen. Hinzu kommen 49 Alterskameraden, 24
Jugendfeuerwehrmitglieder und 45 Musiker der Feuerwehrkapelle.