Von der Redakteurin Tamara Kühner:
Unübersehbar prangt da auf der großen dunkelblauen Metalltür die Warnung: „Aufzug im Brandfall nicht benutzen!“ Ein Hinweis, der Leben retten kann. Die Krux in diesem speziellen Fall: Es handelt sich um den Feuerwehraufzug. Keine Minute hat es nach Betreten der Krautheimer Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WFB) gedauert, bis die Mannen der Freiwilligen Feuerwehr diesen Widerspruch entdeckt haben.  Ein Start nach Maß, schließlich soll die Begehung an diesem Tag Aufschluss darüber geben, wo es in der Krautheimer Einrichtung im Brandfall Mängel gibt.
 
Die Begehung ist Teil einer mehrteiligen Aufklärungs-Aktion der Krautheimer Stützpunktwehr. „Prävention ist die Gefahrenabwehr der Zukunft“, sagt Kommandant Alois Kilian. Das habe man den Kameraden bei einer Schulung geradezu eingeimpft. Nun soll das Wissen aus der Schulung praktisch umgesetzt werden. Und die Krautheimer haben durchaus eine Sondersituation in ihrer Stadt: „Wir haben viele Institutionen, wo wir im Ernstfall Probleme kriegen können“, sagt Oberlöschmeister Jochen Feger. Vertreter dieser Institutionen – Seniorenheim, mehrere Schulen und die drei verschiedenen Behinderteneinrichtungen – hat die Wehr einerseits zu einer Informationsveranstaltung in ihr Magazin eingeladen. Andererseits sind in allen Einrichtungen Vor-Ort-Termine geplant.
Eine dringende Empfehlung haben die Floriansjünger an alle Teilnehmer: Brandschutzhelfer ausbilden. „Wir können erst nach fünf bis zehn Minuten ins Geschehen eingreifen“, stellt Feger klar. Umso wichtiger seien regelmäßige Übungen, damit Evakuierungsmaßnahmen und -wege jedem klar sind. Einige Evakuierungshilfen wie den Evak-Stuhl oder auch die sogenannte Endlosschlinge stellen die Mitglieder der Wehr auch vor. Besonders im Umgang mit Menschen, die bei der Rettung auf die Hilfe anderer angewiesen sind, müssen alle Handgriffe sitzen. Liegende Personen, schwere Elektro-Rollstühle, das könne vor allem im Obergeschoss zum Problem werden.
 
Wichtig ist den Krautheimer Feuerwehrleuten auch, dass schon einfache Mittel bei der Evakuierung nützen können. „Wie stellt ihr fest, ob ein Raum leer ist?“, will Jochen Feger von WFB-Geschäftsführer Stefan Blank wissen. Denn hier könnte ein Band oder ähnliches an der Tür helfen, Räume als kontrolliert zu markieren. Eine solche Kennzeichnung gibt es in den Werkstätten bislang aber noch nicht. Ein Wunsch der Retter wäre zudem, dass Ansprechpartner etwa durch eine Weste leichter aus der Masse an Menschen am Sammelplatz zu identifizieren sind. Im Fall der WFB sind sich die Feuerwehrleute bei der Begehung einig: „Die sind sehr gut organisiert und informiert“, sagt Alois Kilian. Es gibt in allen Bereichen zwei Rettungswege. „Und was sie nicht wissen können, überlassen sie Fachleuten.“ So hat die WFB mit Nick Schmetzer von der Firma Feuerschutz Hornung aus Künzelsau seit einiger Zeit einen professionellen Brandschutzbeauftragten.
 
Der Bedarf an Information und Übung sei dennoch vorhanden, das habe die Veranstaltung im Magazin gezeigt. Von fünf Vertretern örtlicher Einrichtungen haben sich drei eine Feuerlöscherschulung gewünscht, und alle möchten gemeinsame Übungen mit der Feuerwehr.
 

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Auf dem Bild:
WFB-Geschäftsführer Stefan Blank (2.v.l.) erklärt anhand des Fluchtplan, wie im Brandfall evakuiert wird. Mit dabei sind Feuerwehrkommandant Alois Kilian (l.), und (v.r.)
WFB-Brandschutzbeauftragter Nick Schmetzer, Alexander Seuferlein vom Eduard-Knoll-Wohnzentrum und Christian Blake, WFB-Leiter Berufliche Bildung.